Marita Stolze spielte 15 Jahre lang Tiffy, von 1986 bis 2001. Sie prägte damit entscheidend die Geschichte die Figur und stand uns Rede und Antwort für ein Interview!
Wie kamen Sie 1986 zur Sesamstraße?
Durch ein Casting. Ich habe nach der Schauspielschule vorwiegend für Kinder und Jugendliche gespielt. Ich nehme an, dass ich aus dem Grund zum Casting eingeladen wurde.
Sie haben in der gleichen, wenn auch blau gestrichenen und zum teil geänderten Kulisse, wie bis 1983 Lilo Pulver, Horst Janson usw., gespielt. Können Sie sich noch
an dieses Studio, welches 1988 dem bekannten Brand zum Opfer fiel, erinnern? Wir haben aus dieser Zeit nur wenige Folgen im Archiv. Wie war es,
in der berühmten Küchenecke die Tiffy zu spielen?
Ich habe ja nur ein Jahr in der alten Kulisse gespielt, die allerdings schon ein wenig umgebaut war. Es gab die Garage von Schorsch (Gernot Endemann) und den Laden von Hildegard Krekel. Es war für uns vielleicht alles ein wenig anders, da das ganze Team ausgetauscht worden war. Alles war neu und aufregend. Vielleicht wäre es anders gewesen, noch mit Lilo dort zu spielen.
Haben Sie sich Aufnahmen Ihrer Tiffy-Vorgängerin, Kerstin Siebmann-Röders, angesehen und versucht, Tiffys Charakter beizubehalten?
Nein, habe ich nicht. Wir haben uns mit unserem geliebten Lehrer Kermit Love die Figuren neu erarbeitet, natürlich in Anlehnung an die vorgegebenen Charaktere.
In einer Folge trat auch Herr von Bödefeld, gespielt von Benita Steinmann, in dieser Zeit noch auf. Die Lizenz wurde damals nicht mehr
verlängert. Wie fanden Sie diese Figur?
Großartig und noch großartiger war die Zusammenarbeit mit Benita Steinmann. Eine wunderbare Kollegin.
Sie haben drei Samson-Darsteller erlebt. Den verstorbenen Herbert Langemann, Matthias Bullach und natürlich Klaus Esch. Während Langemann
sich stark am Original-Darsteller Peter Röders orientierte, gab Bullach dem Bären eine merkwürdig hohe Stimme. Ist Klaus Esch auch für Sie
die beste Wahl gewesen?
Letztendlich ja, obwohl wir alle Herbert Langemann geliebt haben, der uns leider viel zu früh verlassen musste.
An welche Geschichten rund um Tiffy denken Sie gerne zurück?
Die liebsten Geschichten waren für mich die Märchen oder der Flug mit der Rakete. Es war immer ein Genuss, wenn möglichst viele Puppen am Start waren und sich Regisseure wie John Delbridge wirklich fantastische Umsetzungen ausgedacht haben.
Gab es Szenen, die zwar im Drehbuch standen, aber mit der beinfreien Tiffy-Puppe nicht spielbar waren?
Die Szenen wurden spielbar gemacht. Es gab schon immer wieder Geschichten, bei denen die Autoren definitiv nicht gewusst haben, was die Puppen können.
War es schwer, zu zweit so eng miteinander, die Figur zum Leben zu erwecken und zugleich live zu sprechen?
Nein,es war eine besondere Form der Zusammenarbeit, die ich mit Karin Kaiser lange und gern betrieben habe. Man wächst quasi zusammen und freut sich, wenn die Puppe so perfekt wie möglich gespielt wurde. Hier macht Übung ganz klar den Meister. Manchmal wusste man zwar nicht, wohin mit den eigenen Beinen, wenn man mal wieder unter einem Tisch verschwinden musste, aber im Großen und ganzen war es mehr Genuss als Qual.
War der Wandel vom Tüll- zum Federhaar für Sie eine Überraschung oder konnte man auf die Neugestaltung in den USA in irgendeiner Weise
Einfluss nehmen?
Wir konnten keinen Einfluss nehmen und es war eine wunderbare Überraschung. Ich konnte mit der Tüllgardine nicht so viel anfangen und mit den Federn wurde Tiffy weicher und auch hübscher. Diese Federn waren auch bei Bödefeld so toll, da schon bei der kleinsten Bewegung Leben in die Figur kam.
Bis einschließlich 2000 spielten Sie die Figur, anschließend übernahm Sabine Falkenberg für die letzten Tiffy-Jahre die Puppe. Warum sind Sie ausgestiegen?
Mir wurde ohne Vorwarnung und Angabe von Gründen gekündigt. Ich kenne den Grund bis heute nicht. Angeblich wollte man Tiffy einen neuen Charakter geben. Aber ich war auch nicht gerade bequem gewesen und habe meine Kritik an so manchen Produktionsbedingungen und auch Büchern nicht für mich behalten. Heute kommt es mir wie ein Witz vor, dass ich schon vor 2000 das Gespräch gesucht habe und zum Beispiel immer wieder Vorschläge gemacht habe, wie z.B. mit den Puppen raus zu gehen zu den Kindern. Vor Ort zu berichten, das reale Umfeld der Kinder mit einzubeziehen, doch das wurde jedesmal strikt vom Redakteur abgelehnt. Das was heute in "Der Möhre" erfolgreich betrieben wird.
Haben Sie die Folgen nach Ihrer Zeit angesehen, als Tiffy kein schlauer Vogel, sondern ein verrücktes Monsterkind war und wie fanden Sie das?
Einige Folgen habe ich gesehen. Ich fand es nicht gut, aber ich fand auch "den schlauen Vogel" nicht gut. Mein Kampf ging immer darum, Tiffys Charakter zu verändern. Ich wusste vom Zielpublikum, dass sie Tiffy als Mädchen ansahen und fand es nicht gut, dass die einzig "weibliche" Figur eine neunmalkluge Zicke sein sollte, die ständig ihren "kleinen" Bruder Samson zurechtweist. Leider bin ich mit meiner Kritik auf Granit gestoßen. Das Monsterkind war für mich keine Alternative nur ein falschverstandener Versuch, es den "Muppets" nachzumachen.
Was wünschen Sie der Sesamstraße zum 40. Geburtstag?
Viele tolle neue Folgen von "Eine Möhre für Zwei". Ich liebe diese Sendung und finde, dass sie auf einem Super-Weg sind. Respekt an die Kollegen.
Vielen Dank!
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