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Interview mit Klaus Esch vom 04.01.2013

Er ist der Mann, der seit über 20 Jahren in Samsons schwerem Kostüm steckt. Klaus Esch gab uns anlässlich des 40. Geburtstags der Sesamstraße ein ausführliches Interview!

Seit 1991 spielen Sie bereits Samson. Inwieweit haben Sie die Figur, die es damals ja bereits 13 Jahre lang gab, mit- und umgestalten dürfen?

Jeder Spieler hat natürlich seine Eigenarten. Das fängt mit der Stimme und der Bewegungsqualität an. Ich habe immer gern etwas neues ausprobiert, so dass Samson Rollschuh gelaufen oder Skateboard gefahren ist. Das hat ihn insgesamt agiler und frecher gemacht. Dazu kam dann später die veränderte Puppe. Aus dem rechteckigen Gesicht ist dann die „Birnenform“ geworden. Das hat den frecheren Eindruck m. E. noch unterstützt. Außerdem war es in meiner Anfangszeit möglich, selbst Bücher zu schreiben. Dadurch konnte man auch Einfluss nehmen.

Haben Sie jemals mit Ihren Vorgängern Peter Röders und Matthias Bullach gesprochen?

Ich habe Matthias Bullach einmal kennengelernt. Peter Röders habe ich öfter gesprochen. Er wohnt auch hier im Norden und ich hatte das Vergnügen seine faszinierende Puppenwerkstatt besuchen zu dürfen. Der zweite Samson Darsteller ist vor meiner Zeit als Samson verstorben. Ihn habe ich also nicht kennengelernt. Ob sich Peter Röders und Matthias Bullach kennen, weiß ich nicht.

Wann war für Sie die Steuerung von Armen, Mund und Augen schließlich "in Fleisch und Blut" übergegangen?

Während des Castings habe ich noch versucht, häufig zwischen Arm und Augen zu wechseln. Nach den ersten Tagen im Studio habe ich dann festgestellt, dass weniger mehr ist und das Augenspiel auf die Großaufnahmen beschränkt. Es ging also recht flott.

Ist es im Kopf der Figur komplett dunkel, abgesehen vom spiegelverkehrten Orientierungsmonitor?

Ich habe die Möglichkeit, ein bisschen durch den Gazestoff in der Nase zu sehen, was beim Greifen von Gegenständen sehr hilfreich ist, da auf dem kleinen Monitor durch die 2D Darstellung Entfernungen sehr schwer abzuschätzen sind. Das Fell ist auch etwas durchscheinend, so dass ich bei starker Beleuchtung eher ein dunkelbraunes Licht im Pelz habe.

Was war die längste Zeit, die sie am Stück im ca. 20kg schweren Kostüm ausgehalten haben?

Es wiegt 23 kg. Im Dezember 2012 hatten wir die Eröffnung der Sesamstraßen-Ausstellung in der Kinemathek in Berlin. Da war ich über eine Stunde im Kostüm. Das war wohl mit die längste Zeit, die ich durchgehend im Kostüm war.

Samson hat sich optisch im Laufe der Jahre stark verändert. Bezieht sich das rein aufs Äußere oder wurden auch innen im Kostüm für Sie Erleichterungen vorgenommen?

Am Anfang war ein Teil des „Gerippes“ von Samson aus Holz. Mit dem letzten Kostüm ist alles Kunststoff geworden. Allerdings wurde zur besseren Stabilität der äußeren Form auch viel Schaumstoff verwendet, der früher nicht benutzt wurde, so dass es innen eher wärmer wurde. Der Monitor war früher an einer festen Halterung vor der Brust, was gerade das Spiel in der Hängematte sehr erschwerte. Ich habe dann vorgeschlagen, einen Schwanenhals zu nehmen, damit man den Monitor je nach Bedarf verstellen kann.

Kam es beim Beginn einer neuen Samson-Optik schon vor, dass Kinder bei Live-Auftritten verhalten reagiert haben, weil sie bis dahin nur ein altes Samson-Gesicht kannten?

Das ist mir nicht aufgefallen.

Wie verloren sind Sie, wenn Sie bei Live-Aufritten als Samson keinen Monitor im Kostüm nutzen können?

Mittlerweile geht’s ganz gut. Ich sehe mir vorher genau die Spielstätte an und lege eine Art innere Landkarte an. Außerdem kann ich ja etwas durch die Nase sehen. Gefährlich wird es, wenn vor mir Kinder rumlaufen. Die sehe ich meistens nicht und dann kann es schon mal passieren, dass ich versehentlich eines trete oder schubse. Wenn die Kinder zu dicht kommen ist es auch schwierig, genau zu erkennen, welches Kind gerade mit mir spricht und die Reaktion fällt dann gelegentlich etwas „unpersönlich“ aus. Schwierig wird es auch bei starker Beleuchtung durch niedrige Scheinwerfen. Dann kann ich auch durch die Nase nichts mehr sehen.

Hatten Sie beim Ausscheiden von Tiffy im Jahr 2005 bereits Befürchtungen, dass es auch Samson einmal treffen könnte?

In den ersten Jahren hat Samson in jeder Geschichte mitgespielt. Das wurde im Laufe der Jahre schon weniger. Das Samson ganz raus ist hat mich schon sehr gewundert, da ich glaube, dass die Figur nach wie vor sehr gut funktioniert. Da er auch keine Abdeckung braucht und keinen Händespieler kann man mit der Figur auch sehr gut Außenaufnahmen machen und bekommt in kurzen Zeit viel Sendematerial. Ein Aspekt, den die Finanzabteilung eigentlich schätzt. Ich hätte eher damit gerechnet, dass die Sesamstraße komplett eingestellt wird, da es meines Wissens immer wieder Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit den Amerikanern gab.

War es richtig, Tiffy ab 2002 den Charaker der "klugen großen Schwester" zu nehmen und als Monsterkind darzustellen?

Die neue Puppe fand ich auf jeden Fall sympathischer. Dass sie ein Monsterkind sein sollte war mir nicht bekannt.

Wie empfinden Sie die Einstellung der Produktion der Rahmenhandlungen?

Schade. Aber Veränderungen gibt es immer. Wie es so schön heißt: „das Bessere ist der Feind des Guten“. Ob es jetzt besser ist, ist fraglich und Geschmacksache. Auf jeden Fall machen meine Kollegen einen tollen Job und ich finde es großartig, dass es die Sesamstraße in Deutschland noch gibt und dass hier sogar neue Ernie und Bert Geschichten gedreht werden. Dass die deutsche Sesamstraße an Eigenständigkeit gegenüber den Amerikanern gewonnen hat finde ich positiv.

Nach 30 Jahren dürfte der Bär doch auch bei hartnäckigen 70er-Jahre Fans akzeptiert sein. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Gründe für das Aus von Samson und Rumpel?

Das kann ich leider nicht sagen, da mir die Entscheidungsträger Ihre Gründe hierfür nicht mitgeteilt haben. Diese Entscheidung wird von Menschen getroffen und Menschen haben verschiedene Vorlieben und Geschmäcker. Meine Hypothese wäre also, dass die derzeitigen Entscheidungsträger entweder Samson als Figur nicht besonders mögen oder keine Ideen haben, wie man diese Figur kulterhaltend einsetzen kann.

Obwohl Samson in der neuen Staffel der Sesamstraße nicht mehr zu sehen ist, treten Sie gelegentlich noch als Samson auf, wie z. B. beim NDR Radiophilharmonie-Konzert. Ist das eine Art Abschied auf Raten oder gibt es eine Chance für das Überleben von Samson?

Das weiß ich nicht. Fragen Sie die Redaktion. Wenn Sie eine Antwort kriegen, teilen Sie sie mir bitte mit.

Werden Sie die lange Sesamstraßen-Nacht im Januar im Fernsehen anschauen, in der Samson sicher in alten Folgen mehrfach zu sehen sein wird?

Teilweise sicher.

Sie sind ausgebildeter Schauspieler, Opernsänger und Leiter der Theaterschule in Flensburg. Welche Rolle spielt die Sesamstraße aktuell in Ihrem Leben?

Samson und die Sesamstraße hat mich die letzten 20 Jahre begleitet und ich habe diese Figur immer gern gespielt. Zurzeit ist der 40. Geburtstag und in diesem Rahmen kommen einige Anfragen und Termine, die ich gern wahrnehme. Wenn ich Samson zum Leben erwecken darf, freue ich mich darüber. Wenn nicht, dann ist das eben so und ich akzeptiere das. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich das beeinflussen kann. Das heißt aber nicht das ich es gut finde, da Samson meiner Meinung nach eine Figur ist, die nach wie vor funktioniert und ich es bedaure, dass die Möglichkeit verschenkt wird, diese Kultfigur im Sinne der Grundidee der Sesamstraße weiter einzusetzen. Meine Erfahrung ist, dass Kinder Samson mögen, weil er groß und stark und gutmütig und gefühlvoll und neugierig ist. In dieser Kombination ist er als Figur auch nicht zu ersetzen. Er war auch die einzige Großpuppe in der deutschen Sesamstraße. Allerdings habe ich im Laufe meiner Sesamstraßenzeit Erwachsene gehört, die Samson als Figur nicht so gern mochten, wie z.B. Ernie und Bert. Und es sind nun mal Erwachsene, die die Entscheidungen treffen und nicht die Kinder.

Halten Sie Kontakt zu Kollegen aus dem alten Ensemble der Sesamstraße, wie z. B. Achim Hall, Marita Stolze oder Martin Paas?

Martin Paas und Carsten Haffke sehe ich bei den Liveauftritten. Zu Achim Hall habe ich auch Kontakt und seltener zu Andrea Bongers (z.B. wenn ich mir eines Ihrer großartigen Solo/Duo Programme ansehe). Kürzlich habe ich in Berlin Mehmet und Sabine Falkenberg getroffen (die letzte Tiffy). Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es eine schöne Gemeinsamkeit, die alle verbindet. Das sind die großartigen und witzigen Erlebnisse beim Drehen und die puppenbedingten multiplen Persönlichkeiten.

Was wünschen Sie der Sesamstraße zum 40. Geburtstag?

Natürlich langes Bestehen, viele Fans und kreativen Geist!... und viel Kuchen!

Ich danke Ihnen sehr!

Gern und ein schönes 2013!

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