Sie spielt die beliebte Schnecke Finchen seit vielen Jahren und ist dennoch bereits die vierte Puppenspielerin der Figur. Wie es dazu kam und wie sich Finchen entwickelte, das verrät Andrea Bongers in unserem Interview!
Wann haben Sie erstmals für die Sesamstraße gespielt und wie kam es dazu und wie wurden Sie im Jahr 1999 zur Finchen-Spielerin und Nachfolgerin von Uta Delbridge?
1988 habe ich im Studio Hamburg an einem Casting für „Hallo Spencer“ teilgenommen und wurde unter 70 Bewerbern u. a. von Wilhelm Helmrich ausgewählt, die „kugelrunde Kugelgunde“ zu spielen. Als dann eine neue Finchen Spielerin gesucht wurde, kam man auf mich zurück. Scheinbar habe ich bei „Hallo Spencer“ einen guten Eindruck gemacht. Ich bekam einen Anruf von der Produktion und war dabei! Gernot Endemann hat mit mir an der Stimme gearbeitet. Uta Delbridge habe ich erst vor kurzem, beim 40 Geburtstag der Sesamstraße, kennen gelernt.
Uta Delbridge spielte ein extrem schüchternes und ängstliches Finchen, mit Ihnen wurde die Schnecke neugierig und schlagfertig. Warum wurde das Wesen von Finchen damals neu gestaltet?
Ich vermute, die Redaktion wollte das „Mädchen-Bild“ etwas offensiver. Das kommt meinem Naturell entgegen.
Wie schwer ist die Scheckenpuppe und ist das Haus, wie es früher möglich war, abnehmbar?
Finchen ist eine der leichtesten Puppen und sehr angenehm zu spielen. Das Schneckenhaus besteht aus Samt bezogenem Styropor und ist seit ein paar Jahren an ihrem Körper fixiert. Man kann es aber, falls notwendig, immer noch lösen.
Welche anderen Figuren der deutschen Studio-Aufnahmen (Wolle, Pferd, Samson, Rumpel etc.) mögen Sie besonders gern?
Ich mag natürlich alle gern, wir arbeiten schon lange zusammen und verstehen uns wirklich gut. Es ist immer etwas Besonderes, Sesamstraße zu drehen. Auch das ganze Aufnahmeteam ist jedes Jahr wieder scharf darauf, dabei zu sein, weil die Stimmung so klasse ist. Ich finde es nur schade, Rumpel und Samson nicht mehr so häufig zu sehen. Samson war ja Finchens bester Freund. Und mit Rumpel konnte man so herrlich streiten.
Welche Geschichten mit Finchen haben Ihnen bislang am meisten gefallen?
Da kann ich drei sehr unterschiedliche Geschichten aus den hunderten gedrehten nennen. Zum einen die, in der Axel Milberg einen Archäologen gespielt hat. Diesen Tag werde ich nicht vergessen: Herr Milberg hat mit mir als Finchen so gut zusammengearbeitet...! Ein Schauspieler – eine Puppe. Eine sehr schöne und intensive Arbeit. Mit Anke Engelke hatte ich während ihrer gesamten Zeit – besonders musikalisch – viel Spaß. Und als drittes gab es bei der „Möhre“ die Folge „Finchen’s Opa“. Es ging um das ernste Thema Tod. Diese Folge ist sehr bewegend und von Buch, Regie und Puppenspiel wirklich rundum gelungen.
Gibt es für Sie die Möglichkeit der Improvisation oder muss man sich strickt ans Drehbuch halten?
Man muss sich ans Drehbuch halten und kann auch darauf vertrauen, dass sich die Autoren und die Redaktion sehr genau überlegt haben, was gesagt werden soll. Wie man die Worte sagt, bleibt einem allerdings selbst überlassen.
Wie finden Sie die Einstellung der klassischen Rahmengeschichten mit dem Set um Gemüseladen und Höhle?
Ich mochte die alte Straße. Es war ein Riesenspaß, schon allein, weil wir so viele Puppen und Schauspieler waren. Ich sehe aber ein, dass die Zeiten sich ändern und das Format „Möhre“ hat auch Vorzüge: z.B. sind die Geschichten intensiver, es geht auch mal um Wesentliches.
Hätten Sie mit dem Erfolg von "Eine Möhre für zwei" gerechnet?
Ja! Es ist eine sehr gute Kindersendung.
Wie macht sich Finchen als Postfrau in Ihren Augen?
Ich finde sie echt cool – sie hat immer ein offenes Ohr für ihre Freunde und macht trotzdem ihren Job. Besonders lustig finde ich, dass es ihr egal ist, dass sie immer gegen die Mülltonnen fährt.
Warum ist Finchen in den neuen Folgen der Sesamstraße nur im Vorspann, aber nicht bei Elmo im Baumhaus dabei?
Oh, ab und zu wird sie schon ins Baumhaus eingeladen!
Welche Faszination macht das Puppenspiel für Sie aus?
Puppen haben mich immer schon fasziniert. Meine erste Puppe habe ich aus meinem Kommunionsstrumpf gebastelt – mit 10! Auch bei meinen Bühnenprogrammen sind immer Puppen dabei. Ich finde, sie können die eigene schauspielerische Bandbreite extrem erweitern und natürlich alles sagen, was wir Menschen uns nie trauen würden. Für Kinder sind sie die perfekten Identifikationsobjekte, die beim Leben und Lernen helfen können.
Ist es für Sie manchmal schwer, terminlich die Sesamstraße mit Ihren anderen Auftritten und Engagements zu verbinden?
Ja, das ist nicht immer einfach. Aber letztendlich klappt es immer gut.
Was wünschen Sie der Sesamstraße zum 40. Geburtstag?
Ich wünsche der Sesamstraße, dass sie den Spagat zwischen einer 40 Jahre „alten“ Kultsendung und einem brandneuen, zeitgemäßen TV Produkt auch weiterhin so gut schafft.
Vielen Dank!
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