Peter Bauer spielte in den 70er und 80er Jahren in diversen Clips der deutschen Produktion u. a. Herrn K., Hans-Heinrich und den Tramp. Es gab bislang weder ein Interview mit ihm zur Sesamstraße noch ein aktuelles Foto. Für uns machte er eine Ausnahme und erfüllt damit den Wunsch vieler Fans, die gerne wissen möchten, wie es ihm heute geht und wie es damals für ihn war!
„So, da bin ich mal gespannt…“, würde Hans-Heinrich sagen
und ICH fahre fort: …ob ich am Ende die wesentlichen Fragen meiner Fans beantwortet habe…
„Hilft mir denn keiner?“
Hallo Freunde, liebe FANS!!!
Zu allererst einmal, wie geht es Ihnen aktuell?
Im Februar 2017 jetzt bin ich Achtundsiebzig und es geht mir gut.
Anlage: ein aktuelles Foto „Ich geh nie ohne Hut!“
Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
MIR hat seinerzeit mein Freund Christoph Busse (den ich seit Ende der sechziger Jahre kenne) als es um die Besetzung seiner Filme für die „Sesamstrasse“ ging, sehr geholfen: Der NDR hätte aus Kostenersparnis-Gründen lieber einen Schauspieler aus Hamburg eingesetzt, aber Christoph bestand auf PETER BAUER! Ich habe also meine Reisekosten von meiner Gage bezahlt und konnte bei Christoph in seinem Hamburger Büro wohnen. So begannen wir eine lange und sehr schöne Zusammenarbeit!
Welche Ihrer Figuren (Tramp, Hans-Heinrich, Herr K.) hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Welche Figur „Tramp“, „Hans-Heinrich“ „Herr K.“ mir am meisten Spaß gemacht hat kann ich nicht sagen. Ein kluger Kollege hat mal gesagt: „Ein Schauspieler muss jede Figur, die er spielt, lieben – sonst wird nichts draus.“ Sie waren mir alle ans Herz gewachsen!
Wurden Sie zur damaligen Zeit im realen Leben oft als „der Mann aus der Sesamstraße“ erkannt oder liefen Sie stets völlig unerkannt durch das Land?
Natürlich wurde ich auch im „echten Leben“ wiedererkannt. Zum Beispiel: Im Sommer-Urlaub war ich in Badehose auf dem Weg Richtung Wasser,
als drei barbusige Wasser-Nixen mit nackten Fingern auf mich zeigten und
SESAMSTRASSE kreischten… Aber es gab auch Anstrengendes. Ich war damals in Frankfurt am Theater engagiert und habe dort viele Haupt- und Titelrollen gespielt. Da gab es Zeiten, in denen ich abends Vorstellung hatte, am nächsten Morgen mit der ersten Maschine nach Hamburg flog, Umziehen und Maske im NDR-Bus zum Dreh-Ort, kurze Besprechung, Dreh bis 16 Uhr,
Rück-Umzug im Bus zum Flughafen, Rückflug nach Frankfurt und abends Vorstellung. Das Ganze mehrmals pro Woche! Polizei- und Zollbeamte erkannten mich inzwischen auch… Für meine Kinder hatte das Wort „Sesamstrasse“ einen bitteren Beigeschmack: „Sesamstrasse“ hieß für sie: Papa muss wieder nach Hamburg… ist nicht zu Hause!!! Später haben sie die Beiträge gerne gesehen und kennen heute noch manche Texte! Ich habe in den Jahren darauf, natürlich auch in anderen Film-und Fernseh-Produktionen mitgespielt: In mehreren „Tatorten“ (auch unter Jürgen Roland) in „Ein Fall für zwei“, in „Der rote Strumpf“ (mit Inge Meysel) u.v.a. Alles nicht vergleichbar mit der SESAMSTRASSE. Nur dort durfte ich singen… und in viele Hamburger Gewässer fallen!!!
Viele der verfilmten Geschichten sind heute Kult. Sei es das große Bett, welches Hans Heinrich per Post geschickt bekam, das verrückte Golfspiel von Herrn K. und Dr. Blau oder auch das Sonnenlied, bei dem Sie ins Wasser stiegen. Was waren Ihre Lieblingsgeschichten?
Meine Lieblings-Filme, wenn ich jetzt zurückdenke, waren „Das Lied vom Zumachen“, „Der Egal-Song“, das „Sonnen“- und das „Regen“-Lied, und „Ich geh nie ohne Hut!“
Wie haben Sie sich mit Peter Arff verstanden?
Mit Peter Arff (auf seiner Visitenkarte stand: „eigener Wagen, schneller Einsatz!“) habe ich mich hervorragend verstanden. Besonders in den drei Wochen Dreh in Spanien. Wir haben viel zusammen gelacht. Er war uneitel und hatte einen schönen Humor.
Warum haben Sie sich vor vielen Jahren komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen?
Ich habe mich nicht aus der Öffentlichkeit zurückgezogen! Seit vielen Jahren mache ich Solo-Programme („Ich bin der Herr-Dein Hund“, „Brauchen Sünden Böcke?“, „Johan von Po entdeckt Amerika“, „Bauers Göttliche Komödie“, „Der heilige Bimbam“ und demnächst: „Die Geschichte einer Tigerin“), inzwischen aber nicht nur im Theater, sondern auch in Vereins- und Bürgerhäusern, Schulen und Museen. Dazu jährlich eine Lesung!
Was möchten Sie Ihren Fans, die Sie noch heute vermissen, gerne sagen?
Ich hätte nie gedacht, dass ich mal „Kult“ werde und mehrere Generationen Kinder (die ja heute Erwachsene sind) so lange begeistern kann. Das macht mich stolz und dankbar.
Mit freundlichen Grüßen,
Peter Heinrich (ja, das ist mein zweiter Vorname) Bauer
Vielen Dank für Ihre Zeit und die interessanten Antworten!
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